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herbstchen in tapetenwechsel

Wie Staubfinger das Feuer fand 31


Titel: Wie Staubfinger das Feuer fand
Teil: 31 (von 37)
Autor: herbstchen
Fandom: die Tintenwelt
Spoiler: Tintenblut
Rating: G
Inhalt: In diesem Kapitel trifft Staubfinger jemanden und lässt sich von ihm trösten.
Disclaimer: Die Tintenwelt, in der diese Geschichte spielt, und ihre Bewohner hat sich ein alter Mann namens Fenoglio ausgedacht, wenn man den Geschichten glauben kann. Dennoch verdient die gute Cornelia Funke an dessen Büchern und ich hier dran natürlich keinen Cent.





Wie Staubfinger das Feuer fand





Kapitel 31




Staubfinger wusste nicht, wie lange er gelaufen war, denn im Weglosen Wald, so kam es ihm vor, war es immer Zeit der Dämmerung. Es mochten gut schon Tage vergangen sein, vielleicht aber auch erst eine einzige Nacht – die des Brandes –, seit er aus Ombra geflohen war. Er hatte sich immer mal wieder an einen Baumstamm gelehnt, um zu verschnaufen und glaubte trotzdem, immer noch Stimmen hinter sich zu hören: schreiende Kinder aus der Stadt; den Fürsten, wie er seinen Tod am Galgen befahl, weil er Ombra bis auf die Grundmauern abgebrannt hatte; das Lachen der Frau; und das Feuer, das brannte und brannte.

Er hatte keines mehr entzündet, seit er Ombra verlassen hatte. Er wusste nicht, was er gegen Gespenster und Dämonen unternehmen sollte, wenn sie ihn besuchen würden. Vor Feuer hatten sie eh keine Angst. Er würde einfach immer weiterlaufen.

Als ihn seine Beine ihn nur noch schleppend vorwärts trugen und das Gestrüpp, das er auf seinem Weg tiefer in den Wald beiseite schieben musste, seine vom Feuer geschundenen Hände wieder blutig gerissen hatte, kam er auf eine Lichtung und sah, dass es Nacht war. Der zunehmende Mond stand am Himmel und wurde von der Oberfläche des Sees reflektiert, an dessen Ufer Staubfinger stand war. Müde und durstig sank er auf die Knie und bevor er sich besinnen konnte, hatte er auch schon seine Hände in das klare Wasser getaucht, um zu trinken. Seine Wunden brannten und er schrie auf, als er zurückschreckte. Tränen stiegen ihm vor Schmerz in die Augen und das Schluchzen blieb ihm in seinem trockenen Hals stecken.

Das habe ich jetzt davon, dachte Staubfinger, als er seine Hände ansah. Sie waren wund und blutig und er wusste nichts mit ihnen anzufangen und mit sich. Sein Bauch, seine Beine, sein Kopf, alles tat ihm weh, und er dachte, wenn er nicht bald ein Kraut fand, das die Entzündung hemmen würde, würden seine Hände ihm wohlmöglich abfaulen. Sein Durst ließ Staubfinger noch einmal bis zum Wasser rutschen und er hatte Glück, dass er sich nicht weit herunterbeugen musste, um mit dem Mund die Wasseroberfläche zu gelangen. Das erforderte viel Gleichgewicht und seine Hände brannten immer noch, weil er sie verzweifelt in dem Stoff seiner Kleidung vergrub, aber er trank.

Plötzlich aber teilte sich das Wasser vor ihm und erschrocken wich er zurück. Er fiel unglücklich auf seine Hände, mit denen er sich abfangen wollte, mit denen er sich hochhieven wollte, um davon zu laufen, doch durch den Schmerz blieb er im Gras liegen und sah er sich einer Wassernymphe gegenüber.

Ja, es musste eine Nymphe sein, die zweite in seinem Leben. Ja, träumte er denn schön vor Erschöpfung? Sollte ihm so eine Begegnung tatsächlich zwei Mal in seinem Leben vergönnt sein? Blaue Augen ohne Iris blickten Staubfinger verwundert an und er glaubte, dass ihr Gesichtsausdruck seinen eigenen ganz gut widerspiegeln musste. Algen umspielten als Haare ihr Gesicht, wie er es schon einmal gesehen hatte, und als sie eine Hand hob und sie bedächtig nach Staubfinger ausstreckte, sah er auch Schwimmhäute zwischen ihren Fingern.

„Eine Nymphe!“, dachte Staubfinger verängstigt und verzaubert zugleich, als er, von ihr herangewunken, langsam wieder auf das fremde Wesen zurückte. Ich habe sie gestört, dachte Staubfinger, ich habe ihr Angst gemacht. Will auch sie mich bestrafen für das Feuer in Ombra?

Staubfinger vergaß, was er außerhalb dieses Waldes wusste oder einmal gewusst hatte, als die Nymphe ihm sacht eine Hand auflegte und die Hitze der Tränen auf seinen Wangen verschwand. Er glaubte, dass sie lächelte, als seine Anspannung sich löste und er instinktiv nach der Hand auf seiner Wange tastete. Die Nymphe nahm seine Hand in ihre und der Schmerz war noch einmal stechend, doch dann folgte nur noch wohltuende Kühle.

Ihre Hände hinterließen einen durchsichtigen Schleier, der ihm schließlich auch die Sicht verdunkelte. Er sank mit der kalten Hand einer Wassernymphe auf der Stirn ins Gras und fand endlich seinen wohlverdienten Schlaf. Er träumte von einem klaren See, an dem er tagelang saß und eine Schar Nymphen beobachtete, die ihn davor warnten, allzu schnell fort zu gehen. „Folge nicht ihrem Rufen. Hör nicht hin, denn sie verbrennen dich wieder. Bleib“, rieten ihm die Stimmen, die es nur im Traum gab.


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