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Bücher!

herbstchen in tapetenwechsel

Wie Staubfinger das Feuer fand 35


Titel: Wie Staubfinger das Feuer fand
Teil: 35 (von 37)
Autor: herbstchen
Fandom: die Tintenwelt
Spoiler: Tintenblut
Rating: G
Inhalt: Ein träger Bär erzählt...
Disclaimer: Die Tintenwelt, in der diese Geschichte spielt, und ihre Bewohner hat sich ein alter Mann namens Fenoglio ausgedacht, wenn man den Geschichten glauben kann. Dennoch verdient die gute Cornelia Funke an dessen Büchern und ich hier dran natürlich keinen Cent.





Wie Staubfinger das Feuer fand


... So hatte die brennende Dame ihn mitgenommen, den Jungen, der mit ihr tanzen wollte, und ihn ordentlich verbrannt. Doch es störte ihn nicht. Eines Tages aber hatte sie ihn gefragt, willst du wirklich so sein wie ich? Und er hatte geantwortet, nein, er wolle nur bei ihr sein. Dann geh und komm wieder, hatte die Dame gesagt, aber bleibe nicht für immer bei mir.

Und so war Staubfinger erst einmal zu seiner Familie zurückgekehrt.



Kapitel 35




Er erwachte, als es dunkel war und jemand gegen seinen Käfig lief. Schlafen, dachte der Bär und schloss seine Augen einfach wieder. Wenn man ihn schon tagsüber nervte, dann sollte man ihn doch wenigstens nachts in Ruhe lassen. Von diesem Mann, den er einmal an der Schulter erwischt hatte, von dem war er es ja tatsächlich gewöhnt, auch mal nachts aufgescheut zu werden. Aber von diesem Knirps?

Wo war er denn? Man sah ihn ja nicht, so dunkel wie es war. Es rappelte rechts von ihm und der Bär hörte den Jungen fluchen. Dann war er weg, oder wieder da, das konnte er auch nicht genau sagen. Er schloss wieder die Augen und dachte an das Stück Fleisch, das am nächsten Morgen auf ihn warten würde. Es wurde noch einmal sehr laut und dann ging tatsächlich auch einmal Licht in einem der Fenster an, aber niemand kam hinaus, um nachzusehen. Der Bär glaubte schon wieder schlafen zu können, aber weit gefehlt. Etwas stupste ihn in die Seite.

Der Junge stand neben ihm und hielt das Schloss des Gatters in der einen Hand und in der anderen eine Stange Salami. Eine kleine Salami. Er hatte echt schon größere gesehen. Aber die Größe sagte ja nicht immer etwas über den Geschmack aus. Der Junge wedelte mit der Wurst, als würde es sie noch appetitlicher machen. Tat es nicht. Aber Hunger hatte er schon.

Als der Bär sich langsam zuerst auf das Hinterteil, dann auf alle Viere hievte, wich der Junge, der so dunkel wie der Bär selbst war, einen Schritt zurück, aber auch das war der Bär gewohnt. Wahrscheinlich würde er ihm die Salami auch gleich vor die Schnauze werfen, aber das war ihm nur Recht. Einen Happen essen, dann weiterschlafen. Die Nächte waren schon immer viel zu kurz gewesen mit diesen Leuten, die von Ort zu Ort zogen.

Doch der Junge drehte sich um und nahm die Salami mit. Im nächsten Moment stand er auf der anderen Seite des Gitters und seine weißen Zähne wurden sichtbar in der Nacht.

Der Bär überlegte einen Augenblick. Zwei, und noch einen. Er hörte eine Eule aus dem Weglosen Wald rufen und das Holz des Käfigs knarrte unter seinem Gewicht. Er musste raus aus diesem Ding und diese Salami essen.

Der Junge hielt ihn aber hin, lief vor ihm her und er musste hinterher trotten. Wach war er ja jetzt. Und wo ging's hin? Oh, ein Dach über dem Kopf und so viele Türen! Der Junge ging nicht schnell, aber der Bär wusste, wenn er hier und da mal schnuppern würde, würde er ihn aus den Augen verlieren.

Dann standen sie vor der Tür des großen Hauses, am Rande des Waldes und der Junge warf ihm das Futter tatsächlich einfach vor die Nase. Und drehte sich wieder um. So ging das aber nicht - er sollte alleine essen? Also bitte. Er knurrte einmal, nicht zu laut, aber der Junge blieb stehen und sah ihn an. Der Bär ließ sich auf sein Hinterteil nieder und begann, an seiner Salami zu kauen. Immer wenn der Junge sich bewegte, ließ er ein leises Brummen hören und so aß er in Gesellschaft.

Als er fertig war, kratzte er sich einmal am Bauch, einmal am linken Bein und ließ den Jungen gehen. Er winkte ihm sogar hinterher, auch wenn der Mensch so schnell verschwunden war, dass er es sicherlich nicht mehr gesehen hatte. Der Bär wusste nicht, wann die Sonne aufgehen würde, aber er schätzte, er würde genug Zeit haben, um vor einem Spaziergang in den Wald hinein noch ein kleines Nickerchen zu halten.

Doch daraus wurde nichts, denn plötzlich stand der Junge wieder vor ihm. Er trug ein Bündel über der Schulter und stapfte, nachdem er einen respektvollen Bogen um den Bären gemacht hatte in den Wald hinein.

Na, vielleicht hat der ja noch mehr Salami dabei, dachte der Bär, als er sich auf alle Viere hinab ließ und dem Menschenjungen hinterherlief, um an seinem Bündel zu schnuppern. Wo der Junge hinging, wusste der Bär nicht, aber in diesem Käfig war es nicht bequem gewesen. Und wenn er nicht aufpasste, hätte er diesen Mann mit der Peitsche irgendwann tatsächlich noch einmal ernsthaft verletzt.

Der Wald hieß sie beide willkommen in der Nacht und der Junge hatte ein Schritttempo, dem der Bär gerne folgen wollte.


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